Wie entsteht eine Stress-Depression?

Eine Depression hat selten eine einzige Ursache. Meist führt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren auf dem Boden einer angeborenen Anfälligkeit zur Erkrankung. Akute psychosoziale Belastungen wie der Verlust oder Tod einer wichtigen Bezugsperson oder chronische Überlastungssituationen können Auslöser einer depressiven Erkrankung sein. Auch soziale Faktoren, die eine Anpassung an neue Umstände erfordern (zum Beispiel Heirat, Arbeitslosigkeit, Pensionierung), treten vermehrt vor dem Beginn einer Depression auf. Jedoch sind nicht bei allen Patienten derartige Auslösefaktoren im Spiel. Viele Depressionen treffen den Erkrankten wie aus heiterem Himmel. Man sollte daher sehr vorsichtig damit sein, Depressionen nur als nachvollziehbare, verständliche Reaktion auf schwierige Lebensumstände aufzufassen. Schwere Schicksalsschläge verursachen zwar Trauer, gedrückte Stimmung und Befindlichkeitsstörungen, jedoch nicht zwangsläufig eine Depression. Tritt allerdings eine depressive Erkrankung auf, so muss sie konsequent behandelt werden. Oft besteht jahrelanger Stress, der häufig sehr lange noch nicht zu einer Erkrankung führt. Meist genügt dann ein für sich betrachtet relativ kleines Ereignis, um das Fass zum Überlaufen zu bringen und die Krankheit auszulösen.

Vieles ist noch nicht restlos geklärt. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass während einer Depression der Stoffwechsel des Gehirns gestört ist: Die Nervenbotenstoffe Serotonin und/oder Noradrenalin und/oder Dopamin sind aus der Balance geraten. Ursache ist das gestörte Kontrollsystem für Stresshormone: Die dauerhafte Überaktivität des Stresshormonsystems stört den Nervenzellstoffwechsel so sehr, dass Produktion und Abbau der Botenstoffe aus der Balance kommen. Sie sind entweder in zu geringer Konzentration vorhanden oder die Übertragung funktioniert nicht mehr richtig. Ist hierdurch aber die Übertragung zwischen den Nervenzellen gestört, so schlägt sich das nach und nach auch in den Gefühlen und Gedanken nieder und führt zu fehlendem Antrieb, zu Appetit- und Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und den anderen Symptomen der Depression. Antidepressive Medikamente setzen an dieser Stelle an und bringen den Hirnstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht, indem sie die Stresshormonregulation normalisieren. Dasselbe macht die Psychotherapie. So wird klar, weshalb bei mittelschweren und schweren Depressionen die Kombination von Psychotherapie und Medikament die besten Resultate erzielt.