Neue Konzepte

Neue Konzepte der Behandlung der Stress-Depression:
Erhaltungstherapie und Langzeittherapie
Patienten aller Altersgruppen mit Restsymptomen haben ein 80%iges Risiko einen Rückfall zu erleiden – die verbleibende depressive Symptomatik wird selber zum Stressor und löst neue depressive Episoden aus.

Therapieziel ist daher die nachhaltige Behandlung der Depression, welche zur Komplettheilung führt. Diese beinhaltet auch die mindestens sechsmonatige Begleitung des Patienten nach dem Abklingen der depressiven Symptome – in dieser wichtigen Phase der Erhaltungstherapie dürfen die Antidepressiva keinesfalls abgesetzt oder reduziert werden, auch kann die Fortführung der Psychotherapie sehr sinnvoll sein. Erst wenn die Symptomfreiheit länger als 6 Monate durch die Dauerbehandlung anhält, wird von einer Heilung gesprochen (Abbildung).

Je häufiger depressive Phasen in der Vorgeschichte aufgetreten sind und je schwerer sie waren, desto wichtiger ist eine Langzeittherapie, d.h. die therapeutische Begleitung des Patienten über die Zeit der sechsmonatigen Erhaltungstherapie hinaus. Die medikamentöse Pharmakotherapie ist die bislang am besten untersuchte Behandlungsform in der langfristigen Therapie der wiederkehrenden (= rezidivierenden) Depression. Unter Erhaltungs- bzw. Langzeittherapie kann eine mindestens 50%ige Reduktion des Rückfallrisikos erzielt werden. Die am besten dokumentierte Wirksamkeit und somit den höchsten wissenschaftlichen Evidenzgrad weisen hierbei Antidepressiva und Lithium auf. Wie während der Erhaltungstherapie wird auch zur Rückfallvorbeugung in der Regel die Fortführung der Medikation in gleich bleibender Dosis, die zur Heilung geführt hat, empfohlen.

Abbildung: Die unterschiedlichen Abschnitte der erfolgreichen Behandlung und Rückfallvorbeugung

Um ein Rezidiv (d.h. eine neue Episode) nach der Heilung zu verhindern, kann im Einzelfall eine längere Rückfallvorbeugungstherapie von 2-3 Jahren sinnvoll sein. Notwendig ist diese langfristige antidepressive Therapie vor allem beim Vorliegen von bisher insgesamt mindestens drei Krankheitsepisoden oder von zwei Episoden innerhalb der letzten fünf Jahre oder bei zwei Episoden mit einem Risikofaktor. Risikofaktoren sind zum Beispiel weitere Erkrankungsfälle in der Familie, ein früher Beginn vor dem 40. Lebensjahr, ein später Beginn nach dem 60. Lebensjahr, ein kurzer Abstand zwischen den Episoden, ein rascher Beginn früherer Krankheitsepisoden oder zusätzliche Erkrankungen.

Die Entscheidung, ob eine solche Therapie mit modernen, nebenwirkungsarmen Antidepressiva notwendig ist, ist stets individuell und muss vom betroffenen Patienten gemeinsam mit dem erfahrenen Facharzt getroffen werden. Da sie nicht abhängig machen, können die gut verträglichen Medikamente grundsätzlich problemlos über Monate und Jahre eingenommen werden.

Wenn das Antidepressivum abgesetzt werden kann, muss dies langsam und schrittweise geschehen – der Nervenstoffwechsel muss sich erst wieder daran gewöhnen, ohne die medikamentöse Stütze normal zu funktionieren. Nach vollständiger Heilung kann er dies, benötigt hierfür jedoch einige Wochen Umgewöhnungszeit.

Die drei Stadien der wirksamen Depressionsbehandlung

Akutbehandlung:
Bessert die Beschwerden und bringt diese zum Abklingen.
Dauer: Wochen.

Erhaltungstherapie:
Verhindert Rückfälle durch eine weitere Stabilisierung der symptomfreien Erkrankungsphase. Erst wenn die Symptomfreiheit unter dieser Therapie 6 Monate andauert, kann von vollständiger Heilung gesprochen werden.
Dauer: mindestens 6 Monate.

Rückfallvorbeugung:
Verhindert die Wiedererkrankung (Rezidiv) nach vollständiger Heilung und beugt der Entwicklung einer neuen Krankheitsepisode vor.
Dauer: 1 bis mehrere Jahre.