Anregungen für Angehörige und Freunde

  • Informieren Sie sich gründlich über die Erkrankung. Oft ist dies im Rahmen eines gemeinsamen Termins beim behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten möglich. Auch Kinder sollten, wenn immer möglich, miteinbezogen werden. Auch kleine Kinder können verstehen, dass ein verändertes und möglicherweise angstauslösendes Verhalten des Elternteils auf eine behandelbare Krankheit zurückzuführen ist.
  • Selbstmordgedanken oder Suizidpläne sind ein Notfall. Nehmen Sie umgehend notfallärztliche Hilfe in Anspruch. Über die Selbstmordgefährdung soll mit Depressiven offen gesprochen werden.
  • Helfen Sie mit, Geduld aufzubringen. Die Depression ist behandelbar und heilbar aber sie bessert sich meist in kleinen Schritten. Geben Sie Unterstützung zur Einhaltung der Therapie und denken Sie mit an die regelmäßige Medikamenteneinnahme. Ergreifen Sie wenn nötig die Initiative und vereinbaren für den Erkrankten einen Arzttermin. Ermutigen Sie Ihren Angehörigen zu kleinen Aktivitäten und Unternehmungen. Wenn Sie unsicher sind, besprechen Sie die Möglichkeiten mit dem behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten.
  • Einem Depressiven fällt es oft sehr schwer, Aktivitäten zu beginnen und durchzuführen. Bereits das Aufstehen, Waschen und Ankleiden oder einfachste Tätigkeiten im Haushalt können für die Betroffenen enorm große Hürden sein. Hier können Angehörige und Freunde Hilfe leisten, indem sie den Erkrankten behutsam dabei unterstützen, zu einem geregelten Tagesablauf zu finden.
  • Depressive Patienten haben krankheitsbedingt sehr grosse Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen. Man sollte sie daher während der Erkrankung zu keinerlei weiterreichenden Entscheidungen bewegen, denn meist werden diese nach Abklingen der Depression bereut. Machen Sie sich immer bewusst, dass Depressive die Realität in vielen Punkten durch die „depressive Brille”, d.h. verzerrt wahrnehmen. Deshalb treffen sie Entscheidungen, die sie nach überstandener Krankheit möglicherweise vollständig anders bewerten.
  • Urlaubsreisen oder Wellness-Wochenenden zur Ablenkung sind in der Regel eine Überforderung und können sogar zur Verschlimmerung der Krankheit führen. Erst bei Besserung kann dies wieder sinnvoll sein.
  • Es ist wichtig, das Befinden von depressiv Erkrankten so zu akzeptieren, wie diese es erleben und schildern. Versuchen Sie, Ihren Angehörigen stets daran zu erinnern, dass die Depression eine Erkrankung ist, die vorübergeht und sich gut behandeln lässt. Betrachten Sie die körperlichen Missempfindungen und Krankheitsängste des Depressiven nicht als übertrieben oder „eingebildet“. Es ist die Depression, die auch leichte Schmerzen oder Missempfindungen zeitweise ins kaum Erträgliche steigern kann.
  • Die Krankheit führt dazu, dass Ihr Lebenspartner oder Freund plötzlich desinteressiert, abweisend und lustlos erscheinen kann. Seien Sie in dieser schweren Zeit geduldig – sobald die Erkrankung durch die Behandlung besser wird, ändert sich dies wieder. Wenden Sie sich nicht von Ihrem erkrankten Angehörigen ab, auch wenn er Ihnen noch so abweisend erscheint.
  • Die Hilflosigkeit und Trauer – auch Ärger und Wut – die Sie durch das Miterleben der Erkrankung oft empfinden, sind eine häufige und normale Reaktion. Vorsicht ist nicht nur bezüglich einer möglichen Überforderung des Erkrankten geboten, sondern auch bezüglich der des Helfers. Wer einem psychisch kranken Menschen als Freund oder Angehöriger zur Seite steht, sollte sich über die möglichen Belastungen im Klaren sein. Sprechen sie darüber mit Freunden oder anderen betroffenen Angehörigen – eventuell in einer Selbsthilfegruppe. Zögen Sie bitte nicht, auch selbst Hilfe in dieser schweren Zeit in Anspruch zu nehmen!
  • Wenn es endlich besser geht: Geben Sie Unterstützung bei der wichtigen Rückfallvorbeugung. Helfen Sie Ihrem Angehörigen, Therapie- und Kontrolltermine einzuhalten. Ermutigen Sie ihn – sofern nötig – zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme, die ein Wiederauftreten der Erkrankung verhindert. Bei Besserung ist es für Betroffene oft schwer, die notwendige Behandlung geduldig fortzuführen – hier können Sie wertvolle Hilfe leisten.