Bewährte ergänzende Therapieformen

Mit der Wachtherapie (Schlafentzugsbehandlung) oder der Lichttherapie existieren weitere bewährte Behandlungsmöglichkeiten, die ergänzend angewendet werden können oder bei leichteren Verlaufsformen als Alternative zur medikamentösen Therapie eingesetzt werden können.

Bei schwereren Fällen können in spezialisierten Zentren von Experten die neuen Methoden Vagusnerv-Stimulation (VNS) oder transkranielle Magnetstimulation (TMS) mit Erfolg angewendet werden.

Ergänzt werden kann die Behandlung darüber hinaus durch sinnvolle komplementärmedizinische Ansätze, beispielsweise naturheilkundliche Konzepte wie Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und Hydrotherapie (Wasseranwendungen – z.B. Kneipp-Therapie), traditionelle chinesische Medizin (z.B. Akupunktur, Qi Gong), Massagen und Aromatherapie. Moderne Therapie wird als Inbegriff einer innovativen, ganzheitlichen und evidenzbasierten, d.h. durch Forschungsergebnisse geleiteten, Psychiatrie verstanden. Am Beispiel der modernen Depressionstherapie wird deutlich, dass im Rahmen dieses ganzheitlichen Ansatzes Krankheiten auch durch Förderung der Selbstheilungskräfte und der Gesundheit (Salutogenese) geheilt werden können.

Wachtherapie
Schlafentzug verbessert die Stimmung. Dies klingt zunächst eher merkwürdig, da viele depressive Patienten ohnehin schon an Schlafstörungen leiden. Der in der Regel nur teilweise Schlafentzug hat sich jedoch in der Depressionsbehandlung sehr bewährt: man geht normal zu Bett und wird gegen 1 Uhr morgens wieder geweckt. Wichtig ist, dass man während der Wachtherapie und am Tag danach keinesfalls auch nur für ganz kurze Zeit einschläft. Dies kann die gesamte stimmungsaufhellende Wirkung zerstören. Diese Therapie wird meist in einer therapeutisch begleiteten Gruppe durchgeführt, da die alleinige Durchführung sehr schwierig ist.

Lichttherapie
Diese nahezu nebenwirkungsfreie Therapie hat sich nicht nur in der Behandlung der Winterdepression (saisonale Depression) sondern bei allen Depressionsformen als sehr wirksam erwiesen. Täglich werden morgens 30 bis 60 Minuten vor einer hellen Lichtquelle (2500 bis 10000 Lux) verbracht. Währenddessen kann auch gelesen werden. Je früher die morgendliche Lichttherapie, desto besser ist in der Regel der Behandlungserfolg. Bei typischer wiederkehrender Depression in Herbst und Winter kann die Behandlung auch vorbeugend eingesetzt werden.