Eine oft lebensgefährliche Erkrankung

Die Depression ist eine schwere, in gewissen Fällen sogar lebensbedrohliche Erkrankung. Unbehandelt kann sie tödlich enden. Bei Menschen bis zu einem Lebensalter von 40 Jahren stellt der Tod durch depressionsbedingte Selbsttötung (Suizid) nach dem Unfalltod die zweithäufigste Todesursache dar. 15% aller Patienten mit schweren depressiven Episoden begehen Suizid. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik nehmen sich in der Schweiz pro Jahr regelmässig mehr als 1400 Menschen das Leben, wobei die tatsächliche Zahl der Suizide (Dunkelziffer) sicherlich erheblich höher liegt. Die Zahl der Suizide übersteigt demnach deutlich die der jährlichen Verkehrstoten. Fast alle Patienten mit schweren Depressionen haben zumindest Suizidgedanken. Zirka die Hälfte der Patienten mit depressiven Störungen begeht in ihrem Leben einen Suizidversuch. Umgekehrt besteht bei der Mehrheit der Personen, die Suizide begehen, eine depressive Erkrankung. Der «Freitod», das heisst der im gesunden Zustand getroffene Entschluss, sich das Leben zu nehmen, kommt so gut wie nicht vor. Ist die Depression erkannt und behandelt, verschwindet auch der oft übermächtige Todeswunsch.

Lebensgefahr Suizid (Selbsttötung)
Bei jedem Depressiven ist es wichtig zu wissen, wie gross das Suizidrisiko ist. Am besten erkennt man dies, indem man den Betroffenen direkt darauf anspricht, wie intensiv und wie häufig er an Suizid denken muss. Oft wurde die Meinung vertreten, man solle mit Depressiven keinesfalls darüber sprechen, weil man sie dadurch erst auf diese Idee bringen könnte. Dies ist falsch. Jeder Depressive denkt in seiner Verzweiflung ohnehin zumindest an die Möglichkeit und verspürt es in der Regel als Erleichterung, endlich darüber reden zu können. Die Neigung zum Suizid ist ein Notfall! Suizidgefährdete müssen so rasch wie möglich in ärztliche Behandlung.

Auch wenn keine Neigung zum Selbstmord vorliegt, kann zum Beispiel bei älteren Menschen die unbehandelte Depression durch Rückzugsneigung ins Bett, durch Appetitlosigkeit oder durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme sehr rasch zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Auch ist sehr gut belegt, dass der Verlauf vieler anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder der Zustand nach Herzinfarkt äusserst negativ beeinflusst wird, wenn gleichzeitig eine unbehandelte Depression vorliegt.