Wann wird Angst zur Krankheit

Wie entstehen Angststörungen?
Die genauen Ursachen der Angsterkrankungen sind nicht bekannt.
Bei der Entstehung einer Angststörung sind immer mehrere Faktoren beteiligt. Da Angsterkrankungen familiär gehäuft auftreten, ist ein genetischer Faktor vorhanden, der die Entstehung von Angsterkrankungen begünstigt.

Neben den anlagebedingten Faktoren gibt es noch andere auslösende Faktoren:

  • traumatische Ereignisse in der Kindheit und Jugend oder im Erwachsenenalter
  • mangelnde soziale Fertigkeiten (z.B. geringe Durchsetzungsfähigkeit)
  • plötzliche oder längerdauernde Belastungen wie z.B. Beziehungsschwierigkeiten, Verlust (Trennung, Scheidung, Tod), Stress am Arbeitsplatz, Mobbing
  • ungesunder Lebensstil (wenig körperliche Bewegung, wenig Schlaf, Alkohol, Nikotin, Drogen)

Der Teufelskreis der Angst


Angst wird zum fast unlösbaren Problem, wenn Betroffene in einen Teufelskreis von Erwartungsangst, ängstlicher Beobachtung von körperlichen und anderen Angstsymptomen sowie übertriebenen Befürchtungen (Katastrophengedanken) geraten.

Beispiel:
Ein Betroffener steht im Kaufhaus an der Kasse. Plötzlich bemerkt er ein leichtes Schwindelgefühl. Da er dafür keine Erklärung hat, beobachtet er sich ängstlich und stellt starkes Herzklopfen fest. Als ihm noch leicht übel wird, bekommt er panische Angst. Er befürchtet auch, in Ohnmacht zu fallen und denkt: «Ich muss hier schnell weg!» Dies ist aber nicht leicht möglich, zumal die anderen bemerken könnten, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Die Vorstellung, dass etwas Schreckliches passieren wird, verstärkt die Angst. Die körperlichen Symptome werden noch stärker. Er fängt an zu schwitzen und er hat das Gefühl, als würde der Boden unter seinen Füssen wanken. Er denkt, er werde verrückt, verliere die Kontrolle über sich oder müsse gar sterben. Nachdem er das Kaufhaus verlassen hat, klingt die Angst ab. Er kann nicht verstehen, was passiert ist. Sein Hausarzt untersucht ihn gründlich und stellt fest, dass ihm körperlich nichts fehlt. Beim nächsten Kaufhausbesuch wird es ihm schon vor der Kasse mulmig. Als er an der Kasse steht, setzt sich die Angstspirale erneut in Gang. Mit der Zeit löst allein der Gedanke ans Kaufhaus eine Angstreaktion aus. Er meidet jetzt Kaufhäuser. Er kauft nur noch in kleinen Läden ein, wenn wenige Leute dort sind. Bald aber tritt die Angst auch in kleinen Läden auf, so dass auch der Einkauf dort vermieden wird. Die Angst dehnt sich immer mehr aus.

Dieser Fallbericht zeigt eindrücklich, welche Bedeutung sowohl die Erwartungsangst (die „Angst vor der Angst“) wie auch das Vermeidungsverhalten für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Angsterkrankungen haben.