Angst und Stress

Vieles, was wir bisher über Angstreaktionen gesagt haben, lässt sich mit dem gleichsetzen, was wir im Alltag als Stress bezeichnen. Angst und Stress sind miteinander verknüpft. Für das Verständnis von Angst ist es wichtig, diese Zusammenhänge zu kennen. Stress ist ein Zustand, der körperlich und gefühlsmässig Spannungen verursacht und Gesundheitsstörungen zur Folge haben kann. Stress besteht aus drei Phasen:

  • In der ersten Phase erkennt der Körper die Stresssituation und bereitet sich auf Kampf oder Flucht vor. Hormone werden ausgeschüttet und führen zu «Herzrasen», Anspannung der Muskulatur, beschleunigter Atmung, erhöhtem Blutzuckerspiegel, starkem Schwitzen und erweiterten Pupillen.
  • In der zweiten Phase baut der Körper die Stresshormone wieder ab.
  • Hält die Stresssituation an, tritt als dritte Phase Erschöpfung ein, die zu Gesundheitsstörungen führen kann.

Wir sind täglich Stresssituationen ausgesetzt: die Hektik vor dem Verlassen des Hauses, der Strassenverkehr, Verspätungen usw. Diese Stressreaktionen können auch unbewusst ablaufen. Unter normalen Umständen klingen die körperlichen Veränderungen spontan wieder ab. Angst tritt bei starker seelischer und körperlicher Anspannung (Stress) leichter auf. Die sogenannte Angstschwelle wird gesenkt. Ist die Anspannung hoch, z.B. durch die ständige Sorge um einen Angehörigen, eine unheilbare Krankheit, so wird auch schwacher zusätzlicher Stress als stark empfunden und kann zu Angst führen. Dies ist durch die nachfolgende Graphik verdeutlicht.

 

 

Nicht selten tritt heftige Angst aber auch völlig unerwartet im Übergang von einer Stressphase zur Entspannung auf und wird dann als besonders traumatisierend erlebt. Selbst die stärkste Angst- und Stressreaktion hält nicht beliebig lange an. Nach einiger Zeit nimmt die Angst daher immer spontan, auch ohne unser Zutun, wieder ab! 
Das ist die positive Erfahrung aller, die in einer Angstsituation verharren, bis die Angst langsam wieder verschwindet.