Zwangsstörungen

 

Die Zwangsstörung ist durch Zwangsgedanken und Zwangshandlungen charakterisiert.

Bei Zwangsgedanken drängen sich bestimmte Gedankeninhalte oder Handlungsimpulse immer wieder auf. Sie werden von der Angst bestimmt, es könne einem selber oder anderen Menschen etwas zustossen.

Zwangsimpulse haben oft aggressive Inhalte, z.B. die Vorstellung, jemanden beleidigen, verletzen zu müssen, sich oder andere vor ein Auto zu werfen, von einem Turm zu stürzen oder Obszönes auszusprechen. Solche aggressiven Zwangsimpulse werden praktisch nie verwirklicht, aber die Betroffenen leiden unsäglich darunter.

Zwangshandlungen sind sich wiederholende, stereotype (schematische) Verhaltensabläufe, gelegentlich auch gedankliche Ritualisierungen und Ordnungszwänge. Obwohl Betroffene erkennen, dass diese Gedankeninhalte, Handlungsimpulse und Zwangshandlungen unsinnig sind und ohne Grund Denken und Handeln beherrschen, können sie diese nicht unterdrücken oder verdrängen.

Wird diesen Zwängen nicht nachgegeben, so stellt sich unerträgliche Angst ein. Viele Menschen kennen leichtere Zwangsphänomene (Nichtloskommen von bestimmten Melodien, Rhythmen oder Wortfolgen, Treppenstufen zählen, Verwenden von magischen Formeln vor gewissen Tätigkeiten, zwanghafte Rituale beim Essen, Rauchen oder Zubettgehen), ohne dass diese krankhaft sind. Die leichteren Zwänge sind oft gut in den Alltag integriert und können gut kontrolliert werden.

Das Krankhafte ist nicht der Inhalt der Zwänge, sondern ihr beherrschender Charakter. Zwangshandlungen können Stunden in Anspruch nehmen und ein normales Leben verunmöglichen, z.B. ständiges Händewaschen nach jedem Kontakt mit anderen Menschen und Gegenständen, zwanghaftes Kontrollieren, zwanghaftes Herstellen einer bestimmten Ordnung.

Ohne Behandlung führen Zwangserkrankungen zu Arbeitsunfähigkeit, sozialem Rückzug, Depressionen, oft zu Alkoholabhängigkeit oder finanziellen Schwierigkeiten.